Das System der Strikten Observanz der Templer basiert auf drei Interpretationsebenen, die vielen Freimaurersystemen des 18. Jahrhunderts zu eigen sind und auf verschiedenste Wurzeln zurückgehen. Es geht um die Interpretationsebenen: moralisch, historisch und freimaurer-mystisch. Diese drei Interpretationsebenen sind die Basis eines jeden Aufbaus von hochgradigen Freimaurer-Systemen des 18. und 19. Jahrhunderts.
Die Grade der Strikten Observanz der Templer spiegeln die fortschreitende Initiation und den moralisch-spirituellen Weg der Mitglieder wider, wobei sich der Orden von freimaurerischer Morallehre zu ritterlicher Tugend und geistiger Tradition weiterentwickelt. Wobei stets vom ersten bis zum siebten Grad von Aufnahmen gesprochen wird, weil die Mitglieder immer einen weiteren Grad in sich aufnehmen, aber damit nie die vorhergehenden Grade abschließen oder hinter sich lassen. Wie Inhalte und Interpretationsebenen gekonnt kombiniert werden, sieht man am Deutlichsten in den einzelnen Katechismen.
Der Begriff „Katechismus“ stammt ursprünglich aus der Tradition der christlichen Katechese. Im Mittelalter wurden Katechismen als Lehrmittel verwendet, um die grundlegenden Glaubenswahrheiten zu vermitteln.
Die Konzeption eines Katechismus hat aber weitaus ältere Wurzeln, wie z.B. in den Traditionen der Antike, insbesondere in den Mysterienkulten und der Philosophie. Die Mysterien von Eleusis, Samothrake oder Isis und Osiris nutzten dialogische und symbolische Praktiken, um verborgene Weisheiten zu vermitteln. Die freimaurerische Methode knüpft damit an diese älteren Mythensysteme an, wobei die christliche Tradition sie mit ihrer Verbreitung allgemein bekannt machte.
Ein freimaurerischer Katechismus dient damit als didaktisches Instrument zur Vermittlung der Werte, Symbole und Rituale der Freimaurerei. Seine Arbeitsweise orientiert sich an einer dialogischen Struktur, die aus Fragen und Antworten besteht.
Er dient nicht nur der Wissensvermittlung, sondern auch der moralischen und spirituellen Schulung. Seine dialogische Form macht ihn zu einem lebendigen Werkzeug, das die aktive Teilnahme und Reflexion der Mitglieder fördert. Die Wurzeln solch einer Arbeitsweise liegen, wie bereits ausgeführt, u.a. in den Mysterienkulten und der sokratischen Methode, die die Freimaurerei zu einem Instrument der Weitergabe verborgener Weisheit macht. Diese Methode fördert außerdem die Gedächtnisleistung und die erfolgreiche Verarbeitung freimaurerischer Inhalte.
Die Philosophie des Sokrates beeinflusste die freimaurerische Lehrweise stark. Sokrates verwendete den Dialog, um seine Schüler durch gezielte Fragen zur Selbsterkenntnis zu führen. Diese Methode findet sich in der Struktur aller Katechismen wieder. Wie in der Freimaurerei erfolgte die Erkenntnis in Stufen, von einfachen Wahrheiten zu komplexeren philosophischen Einsichten.
Die Antworten enthalten bewusst symbolische Konzeptionen, die tiefergehende Interpretationen und ein Nachdenken erfordern, das über das Alltägliche hinausgeht. Der Katechismus lädt zur Kontemplation über die Symbole und Allegorien ein. Er fordert auch auf, zu handeln und das im Sinne der moralischen Lehren der Katechismen und Rituale.
Katechismen werden während ritueller Logenarbeiten und u.a. als Vorbereitung auf Inhalte neuer Grade genutzt. Sie dienen als Mittel, um die Eignung eines Freimaurers und einer Freimaurerin für den nächsten Grad zu überprüfen. Der Aufzunehmende sollte zeigen können, dass er die Inhalte der vorherigen Grade verstanden hat, und nach ihnen lebt.
In rituellen Logenarbeiten soll der jüngste Aufgenommene (laut Zugehörigkeit) vor den Arbeitsteppich treten und auf die Katechismus-Fragen zunächst wortwörtlich antworten und in einer späteren Abfrage, dann mit seinen eigenen Worten den Sinninhalt wiedergeben. Auch dies soll dazu beitragen, die Gedächtnisleistung und die erfolgreiche Verarbeitung über die Inhalte zu fördern.
Jedem Lehrling, Geselle, Meister und Schottischen Meister wird nahegelegt, intensiv mit den entsprechenden Katechismen zu arbeiten.
