Es ist historisch gewachsen, dass verschiedene Freimaurer-Systeme in Deutschland existieren, und in Folge dessen gibt es auch einen unterschiedlichen Sprachgebrauch, wie z.B. beim Vorsitzenden Meister, den die einen »Meister vom Stuhl« und andere »Meister der Loge« oder »Logenmeister« nennen. Es gibt auch verschiedene Aussagen zum Wort und zur Bedeutung der »Loge«:

Loge als Vereinigung: Eine Loge ist in erster Linie die lokale Gemeinschaft von Freimaurern und Freimaurerinnen – vergleichbar mit einem Verein oder einer Bruderschaft vor Ort.

In manchen Systemen muss man Mitglied einer konkreten Loge sein, um sich als Freimaurer bezeichnen zu dürfen. Wobei andere Freimaurer-Systeme Freimaurer ohne Zugehörigkeit zu einer Loge als Freimaurer ohne Dach bezeichnen.

Loge als Gebäude: Mit dem Begriff »Loge« kann auch das Versammlungsgebäude gemeint sein: das Logenhaus.

Loge als ritueller Raum: Gleichzeitig bezeichnet »Loge« aber auch den Raum, in dem die (rituellen) Zusammenkünfte stattfinden.

Dieser Raum ist symbolisch gestaltet und andere nennen ihn Tempel und die darin stattfindende Zusammenkunft: Tempelarbeit.

Loge als Arbeit: Das Wort »Loge« soll sich von den Lagerstätten der Israeliten ableiten, d.h. die Zusammenkünfte, aber auch die rituellen Logenarbeiten gleichermaßen, besonders jene, die dem Unterricht dienen.

Wie akkurat das Wort Loge in diesem Zusammenhang gewählt worden ist, wird etymologisch verständlich. Das englische Wort lodge leitet sich aus dem Altfranzösischen loge ab, was Hütte, Unterstand oder kleiner Raum bedeutet. Dieses Wort geht wiederum auf das fränkisch-germanische Wort: laubja zurück, was Laube, Laubhütte, Unterstand aus Zweigen also ein geschützter, abgetrennter Raum, der aber eher einfacher oder provisorischer Natur ist.

In den Eckleff’schen Akten von 1751 lesen wir genauer dazu (ct. Eckleff’sche Akten. Band I. Köln 2008. S. 203. Artikel 4. Frage 1.):

1. Warum wird der Name Loge den Zusammenkünften beigelegt, welche die Freimaurer zu halten pflegen?
Zur Erinnerung an die verschiedenen Läger, welche die Israeliten während ihrer vierzigjährigen Reise von Aegypten nach dem gelobten Lande in der Wüste aufschlugen.

Dieser Begriff wurde also gewählt weil während der »verschiedenen Läger, welche die Israeliten während ihrer vierzigjährigen Reise von Aegypten nach dem gelobten Lande in der Wüste aufschlugen«. Das Lager-aufschlagen wird dem Loge-halten gleichgesetzt. So wird impliziert, dass das gleiche in den Logen geschieht. Neben dem Ausruhen, Rasten, Pausieren oder Stärken wird ein weiteres Beispiel für das Lager-aufschlagen im Konstitutionenbuch der südenglischen Antients (1751), der Konkurrenzströmung zu den südenglischen Moderns (~ 1717), erwähnt. Das Buch erscheint 1756 und Folgendes wurde als Fußnote vom Autor Laurence Dermott verfasst:

Gott gab Moses nicht nur die Gesetze auf dem Berg Sinai, sondern ebenso die dazugehörende Erklärung derselben. Als Moses vom Berg herunterkam und in sein Zelt eingetreten war, suchte ihn Aaron (sein Bruder) auf. Moses machte Aaron mit den Gesetzen, die er von Gott empfangen hatte, sowie mit der Erklärung vertraut. Danach setzte sich Aaron zur Rechten von Moses; und er ließ daraufhin den Eleasar und den Ithamar (die Söhne Aarons) eintreten. Moses wiederholte das, was er soeben dem Aaron vorgetragen hatte. Danach saß sich der eine zur Rechten und der andere zur Linken von Moses. Die siebzig Ältesten Israels, die den Hohen Rat (Sanhedrin) bildeten, kamen herein; und Moses teilte ihnen wieder die gleichen Gesetze und Erklärung mit, wie er es zuvor mit Aaron und seinen (beiden) Söhnen getan hatte. Schließlich wurde das ganze Volk, die einfachen Leute, eingeladen und Moses wies sie ebenfalls in der gleichen Weise ein wie den Rest. So, dass dem Aaron alles, das was Moses von Gott auf dem Berg Sinai erfahren hatte, viermal gelehrt worden war, dem Eleasar und dem Ithamar dreimal, den siebzig Ältesten zweimal, und den einfachen Leuten einmal. Moses fasste danach die Gesetze zusammen, die er schriftlich erhalten hatte, aber nicht die Erklärung. Es würde genügen, so dachte er, dass sie (die Erklärung) dem Erinnerungsvermögen der oben genannten Personen anvertraut seien, die rein und unverdorben in ihnen eingewiesen worden waren, und sie an ihre Kinder und diese wiederum von Generation zu Generation (an ihre Kindeskinder) weitergeben sollten.

Dieser Text stammt aus dem Vorwort der Mischna und könnte wahrscheinlich erklären, warum im angelsächsischen Sprachraum, die Rituale auswendig zu lernen und Ritualhandlungen und -gesten frei durchzuführen sind. – Zunächst war die Loge ganz im Sinne ihres fränkisch-germanischen Wortursprungs eine Laube, Laubhütte, ein Unterstand aus Zweigen also ein geschützter, abgetrennter Raum, der einfacher oder provisorischer Natur ist.

In den Manuskripten von The Grand Mystery of Free-Masons Discover’d (1724) sowie Institution of Free-Masons (1725) werden die Plätze des Meisters und der Aufseher auf das Fenster im Osten bzw. im Westen bezogen, damit die verantwortlichen Leiter der Arbeit Auf- und Untergang der Sonne in diesem geschützten, abgetrennten Raum oder der Bauhütte, beobachten können. (Knoop/Jones/Hamer, S. 78, 84 und 128)Es stand der geschützte, abgetrennte Logenraum im Vordergrund, während ab 1727 der Logenraum als kosmischer Raum zu erkennen ist, wie es schon im Trinity College, Dublin Manuscript von 1711 wahrzunehmen ist. In den alten englischen Katechismen steht: How high is yr lodge? – As high as ye Stars Inches, & feet innumerable. (Knoop/Jones/Hamer, S. 70) In den Three distinct Knocks (1760) sowie Jachin and Boaz (1762) wird die Frage nach Länge und Breite der Loge in einer uns bekannten Weise beantwortet: Von Osten nach Westen. – Zwischen Norden und Süden. (Jackson, S. 79 u. 145) Und auch die Antwort auf die Frage nach den Plätzen der Aufseher erfolgt seit spätestens im Wilkinson Manuscript von 1727 in bekannter Weise durch bloße Angabe der Himmelsrichtungen.

Die Strikte Observanz (1751) nutzte von Beginn an die Begriffe rituelle Arbeit, rituelle Logenarbeit, oder rituelle Kapitelarbeit und ritueller Raum, ritueller Logenraum, oder ritueller Kapitelraum. Denn in ihrem Katechismus von 1751 wird – wie in den alten englischen Katechismen – nach den Ausmaßen (Länge, Breite und Höhe) der Loge und nicht eines Tempels gefragt:

[3.] Fr. Was für eine Gestalt hatte Eure Loge?
A. Ein längliches Viereck.
[4.] Fr. Was für eine Länge?
A. Vom Aufgang bis zum Niedergang der Sonne.
[5.] Fr. Was für eine Breite?
A. Von Mittag bis gegen Mitternacht.
[6.] Fr. Wie hoch war dieselbe?
A. Bis an die Wolken.

In manchen Freimaurer-Systemen lässt der Logenmeister im Zuge der Öffnung verkünden, wo die hammerführenden Meister ihre Plätze haben: Diese verändern damit ihre Verhältnis zum Raum. So befindet sich der Platz etwa des zweiten Vorstehers im Westen, und der Logenmeister hat seinen Platz im Osten. Die eigentliche Öffnung der Loge beginnt mit der Feststellung, dass die Plätze der hammerführenden Meister nicht mehr im Raum oder in der Bauhütte fixiert sind. Die Anwesenden haben damit den irdischen Raum verlassen. Nach dem Verlassen der irdischen Zeit kann nun der Logenmeister ebenfalls die Öffnung der Loge verkünden. Raum und Zeit werden damit während der Öffnung verlassen.

Es ist daher auch folgerichtig, dass sich im deutschen Sprachgebrauch recht früh das Wort Tempelarbeit für die rituellen Arbeiten etabliert hat. Denn die römischen Auguren zogen bei ihrer Beobachtung des Vogelflugs einen Kreis um sich und bezeichneten den inneren Bereich als tempulum, später templum, was bedeutete, dass dieser geschützte, abgetrennte, einfache und provisorische Raum aus dem tempus (der profanen Zeit) herausgelöst war.

Daraus bezogen die Freimaurer im deutschen Sprachraum das Wort Tempel. In allen anderen Sprachräumen wird aber nicht von einer Tempelarbeit, sondern von einer rituellen Arbeit oder rituellen Logenarbeit gesprochen. Denn die religiösen Implikationen mit dem Begriff Tempel wurden anderorts grundsätzlich vermieden, weil u.a. nur Auguren, d.h. nur (heidnische) Priester diesen Raum schaffen konnten. Zudem werden in einem Tempel Gottesdienste oder Messen gehalten, was mit der rituellen Arbeit der Freimaurer/innen nicht wirklich einhergeht. Daher sollte der Freimaurer und jede Freimaurerin auf den Gebrauch der Worte achten, besonders im freimaurerischen Kontext.

Tempel und Tempelarbeit oder Loge und Logenarbeit?

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